Strickmuster Fallmaschen: Leichter als Du denkst

Aktualisiert am 28. April 2022 von Selda Bekar

Anleitung Strickmuster Fallmaschen
Fallmaschen lassen Strickmuster entstehen, die an Netze erinnern.

Rutscht unbemerkt eine Masche von der Stricknadel und löst sich nach und nach wie eine Laufmasche bei einer Strumpfhose auf, zählt das zu den klassischen Fehlern beim Stricken. Gleichzeitig ist das große Ziel, diesen Fehler zu vermeiden. Denn im schlimmsten Fall ist die Strickarbeit nicht mehr zu retten und die ganze Arbeit bis dahin war umsonst. Doch bei einem Strickmuster mit Fallmaschen ist es genau umgekehrt. Hier lässt Du ganz gezielt und mit voller Absicht Maschen von der Nadel rutschen, um das Muster zu bilden.

Luftig leicht, locker, filigran und transparent: Wie der Name schon andeutet, ergibt sich mit Fallmaschen ein durchbrochenes, netzartiges Strickmuster, das durch das absichtliche Fallenlassen von Maschen entsteht.

In diesem Beitrag erklären wir Dir, was genau Fallmaschen sind, wie Sie entstehen und wofür sie sich eignen. Außerdem zeigen wir Dir drei verschiedene Strickmuster mit Fallmaschen.

Was sind Fallmaschen?

Fallmaschen sind Maschen, die von der Stricknadel gerutscht sind. Im Unterschied zu normalen Strickarbeiten lässt Du bei diesen Mustern die Maschen aber absichtlich von der Nadel gleiten. Dadurch entstehen langgezogene Maschen aus den Querfäden, ähnlich wie die Laufmaschen bei einer Strumpfhose. Das Ergebnis sind filigrane, durchbrochene Muster. Sie sehen aber weniger wie typische Lochmuster, sondern eher wie Netze aus.

Dabei gibt es unterschiedliche Möglichkeiten, wie Du die Fallmaschen stricken kannst. So gibt es Strickmuster, bei denen Du die Fallmaschen aus Umschlägen bildest. Dabei legst Du einen oder mehrere Umschläge um die Stricknadel, die Du in der darauffolgenden Reihe oder Runde ungestrickt wieder von der Nadel fallen lässt.

Bei anderen Strickmustern sind die Fallmaschen echte Maschen. Hier strickst Du zunächst ganz normal rechte oder linke Maschen. Erst später lässt Du die Maschen dann fallen, damit sie sich auflösen.

Durch die Fallmaschen bilden sich Löcher. Aus diesem Grund eignen sich Strickmuster mit Fallmaschen vor allem für luftige und leichte Sommerkleidung. Aber auch Schals und Tücher mit Fallmaschen können zu raffinierten Hinguckern werden.

Welche Garne eignen sich gut für Strickmuster mit Fallmaschen?

Fallmaschen-Strickmuster kommen besonders gut zur Geltung, wenn Du ein feines und leicht glänzendes Garn verwendest. Mercerisierte Baumwolle, Seide und ähnliche Materialien eignen sich zum Beispiel hervorragend.

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Ebenfalls tolle Ergebnisse lassen sich mit Bändchengarn erzielen. Denn der breite und flache Faden, der für Bändchengarn typisch ist, lässt die Fallmaschen schön groß erscheinen und das Strickmuster dadurch gut zur Geltung kommen.

Grundsätzlich funktioniert die Stricktechnik auch mit anderen Garnen und Wollen in dickeren Qualitäten. Allerdings solltest Du dann ein Garn verwenden, das fest gedreht ist. Flauschige und langhaarige Qualitäten wie zum Beispiel Mohair eignen sich nicht. Das liegt daran, dass sich die Maschen kaum wieder auflösen, sondern eher verhaken.

Was muss ich können, um Fallmaschen-Muster zu stricken?

Auch wenn Fallmaschen raffiniert aussehen, sind die Muster sehr einfach zu stricken. Die meisten Muster bestehen lediglich aus rechten Maschen, manchmal kommen noch linke Maschen dazu. Außerdem arbeitest Du häufig Umschläge.

Für einen Umschlag führst Du den Faden einmal von vorne nach hinten um die rechte Stricknadel. Du legst den Faden also einfach einmal um die Nadel. Dadurch entsteht eine Schlaufe, die wie eine Masche aussieht.

Je nach Strickmuster können auch mehrfache Umschläge für die Fallmaschen vorgesehen sein. Steht in der Anleitung zum Beispiel etwas von doppelten Umschlägen, wickelst Du den Faden zweimal um die Stricknadel, sodass Du dann zwei zusätzliche Schlingen auf der Nadel hast. Bei Dreifach-Umschlägen würdest Du den Faden entsprechend dreimal um die Nadel umschlagen.

3 verschiedene Strickmuster mit Fallmaschen zum Ausprobieren

Wie schon erwähnt, gibt es verschiedenste Strickmuster mit Fallmaschen. Außerdem kannst Du die Muster abwandeln, indem Du zum Beispiel die Anzahl der Maschen zwischen den Umschlägen variierst, zwischendurch mehr oder weniger Reihen ohne Fallmaschen einfügst oder unterschiedliche Umschläge arbeitest.

Doch damit Du die Technik gleich ausprobieren kannst, zeigen wir Dir zunächst drei Strickmuster mit Fallmaschen.

Variante 1: das Grundmuster

Die Basisversion vom Fallmaschen-Muster besteht aus zwei Reihen. Du strickst dabei nur rechte Maschen und Umschläge. Und zwar so:

  • Für das eigentliche Muster schlägst Du eine ungerade Anzahl an Maschen an. Zusätzlich dazu arbeitest Du noch eine oder mehrere Randmaschen auf beiden Seiden.
  • In der ersten Reihe strickst Du nach der Randmasche eine Masche rechts und machst danach einen Umschlag. Dann folgen wieder eine rechte Masche und ein Umschlag. Diese Abfolge aus rechter Masche und Umschlag wiederholst Du bis zum Ende. Die Reihe beendest Du mit einer rechten Masche und der Randmasche.
  • In der zweiten Reihe strickst Du alle Maschen zwischen den Randmaschen rechts. Die Umschläge zwischen den rechten Maschen lässt Du einfach wieder von der Stricknadel fallen, ohne sie zu stricken.
  • Diese beiden Reihen wiederholst Du fortlaufend.
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Zwischendurch solltest Du Dein Strickstück immer mal wieder nach unten ziehen. Dadurch ziehen sich die Fallmaschen in die Länge und das Strickmuster wird sichtbar.

Variante 2: Strickmuster mit Fallmaschen, rechten und linken Maschen

Beispiel Fallmaschen StrickmusterDas zweite Strickmuster mit Fallmaschen, das wir Dir zeigen möchten, besteht aus insgesamt sechs Reihen. Du kannst es mit jeder beliebigen Maschenzahl stricken. Zwischen den Randmaschen strickst Du wie folgt:

  • In der ersten und der zweiten Reihe, also einer Hin- und einer Rückreihe, strickst Du alle Maschen rechts.
  • In der dritten Reihe arbeitest Du immer abwechselnd eine rechte Masche und einen doppelten Umschlag. Für den doppelten Umschlag wickelst Du den Faden zweimal um die Stricknadel.
  • Die vierte Reihe ist eine Rückreihe. Hier strickst Du wieder alle Maschen rechts und lässt dabei die Doppel-Umschläge aus der Vorreihe von der Stricknadel fallen.
  • In der fünften Rückreihe strickst Du alle Maschen rechts.
  • Die sechste und letzte Reihe ist eine Rückreihe, in der Du linke Maschen strickst.
  • Diese sechs Reihen wiederholst Du fortlaufend.

Variante 3: wellenförmige Fallmaschen

Als dritte Anregung stellen wir Dir ein Strickmuster vor, bei dem die Fallmaschen wellenförmig verlaufen. Weil Du dabei unterschiedliche Umschläge strickst, sind auch die Fallmaschen verschieden lang. Ein Musterrapport geht über 13 Maschen und acht Reihen:

  • In der ersten Reihe strickst Du vier Maschen rechts, einen Umschlag, eine Masche rechts, einen doppelten Umschlag, eine Masche rechts, einen dreifachen Umschlag, eine Masche rechts, einen dreifachen Umschlag, eine Masche rechts, einen doppelten Umschlag, eine Masche rechts, einen Umschlag und drei Maschen rechts. Auch die letzte Masche der Reihe strickst Du rechts.
  • In der zweiten Reihe strickst Du alle Maschen rechts und lässt die Umschläge dazwischen ungestrickt von der Stricknadel fallen.
  • Nun folgen zwei Reihen aus rechten Maschen.
  • In der fünften Reihe arbeitest Du eine Masche rechts, einen dreifachen Umschlag, eine Masche rechts, einen doppelten Umschlag, eine Masche rechts, einen Umschlag, sieben Maschen rechts, einen Umschlag, eine Masche rechts, einen doppelten Umschlag, eine Masche rechts und einen dreifachen Umschlag. Die Reihe beendest Du mit einer rechten Masche.
  • Jetzt folgen wieder drei Reihen aus rechten Maschen. Dabei lässt Du wie zuvor die Umschläge in der sechsten Reihe einfach von der Nadel gleiten.
  • Diese acht Reihen wiederholst Du fortlaufend.
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Einen sommerlichen Rundschal mit Fallmaschen stricken

Bei den Strickmustern, die wir Dir gezeigt haben, ergeben sich die Fallmaschen durch Umschläge. Wir stellen Dir jetzt aber noch eine andere Technik vor. Dazu wählen wir einen Rundschal als Beispiel. So hast Du dann auch gleich eine Anregung für Dein nächstes Strickprojekt.

Für den Rundschal brauchst Du ein Bändchengarn, eine 80 cm lange Rundstricknadel in Stärke 5 und eine Häkelnadel in Stärke 5. Außerdem solltest Du einen Maschenmarkierer und eine Nähnadel mit stumpfer Spitze zum Vernähen der Fäden zur Hand haben.

So geht’s

Mit dem Bändchengarn schlägst Du 120 Maschen an. Schließe die Maschen zur Runde und achte darauf, dass sich nichts verdreht.

In der ersten Runde strickst Du alle Maschen links. Danach folgt eine Runde mit rechten Maschen. Damit Du nicht ständig mitzählen musst, markierst Du Dir am besten den Anfang der Runde. Nun strickst Du immer abwechselnd eine Runde links und eine Runde rechts. Das machst Du so lange, bis von Deinem Garn nur noch ungefähr 10 Meter übrig sind.

Jetzt kommt die Abschlussrunde und zugleich der spannende Teil. In der letzten Runde kettest Du drei Maschen ab. Die vierte Masche lässt Du einfach von der Nadel fallen. Sie ist eine Fallmasche und wird nicht gestrickt.

Aus der letzten abgeketteten Masche auf der rechten Masche häkelst Du fünf Luftmaschen. Die Luftmaschen brauchst Du, um die Fallmasche zu überbrücken.

Die letzte Luftmasche der Kette legst Du auf die rechte Nadel. Dann strickst Du die nächste Masche rechts und ziehst die Luftmasche darüber. So hast Du diese Masche abgekettet. Die beiden nächsten Maschen kettest Du ebenfalls ab. Danach lässt Du erneut eine Masche fallen und häkelst fünf Luftmaschen.

Auf diese Weise, also drei Maschen abketten, eine Masche fallen lassen und fünf Luftmaschen zum Überbrücken, arbeitest Du die ganze Runde durch.

Jetzt kannst Du die Fallmaschen auflösen. Dazu ziehst Du einfach die Maschen rechts und links von den Fallmaschen etwas auseinander. Die Fallmaschen lösen sich dadurch wie Laufmaschen komplett auf. Zum Schuss musst Du nur noch die Fäden vernähen. Fertig ist Dein Sommer-Rundschal!