Decke stricken Patchwork: Eine einfache Anleitung ohne Nähen

Aktualisiert am 22. Oktober 2020 von Selda Bekar

Anleitung zu Decke stricken Patchwork
Wenn Du die Technik einmal verinnerlicht hast, ist es ganz einfach, eine Patchwork-Decke zu stricken.

Eine kuschelige Decke ist immer praktisch und nützlich. Und wenn die Decke in bunten, fröhlichen Farben daherkommt, sorgt sie auch gleich noch für einen tollen Farbklecks in der Wohnung. Fertigst Du eine Strickdecke in der Patchwork-Technik an, ergibt sich nebenbei noch der Vorteil, dass Du Deine Wollreste verarbeiten kannst. Wir zeigen Dir in dieser Anleitung, wie Du eine Decke mit Patchwork stricken kannst. Und keine Sorge: Wir stricken tatsächlich. Viel Nähen musst Du nicht!

Für eine bunte Decke im Stil von Patchwork könntest Du natürlich, so wie es viele Anleitungen vorsehen, lauter einzelne Quadrate, Rechtecke oder andere Formen stricken und anschließend zusammennähen. Oder Du könntest die Einzelteile durch Häkeln miteinander verbinden. Allerdings kann das bei einer großen Decke ganz schön aufwändig sein. Wir zeigen Dir deshalb in dieser Strickanleitung, wie Du eine Decke anfertigen kannst, bei der Du die Quadrate direkt aneinander strickst.

Ein paar Worte zu Patchwork

Patchwork leitet sich vom englischen patch für Flicken ab und bedeutet übersetzt soviel wie Flickwerk. Dahinter verbirgt sich eine Textiltechnik, bei der verschiedene Stoffreste zu neuen Textilien zusammengesetzt werden.

Frühe Belege für das Patchwork stammen aus dem Orient und aus Zentralasien. Das älteste bekannte Stück ist ein Bahrtuch aus Gazellenhaut, das in Ägypten etwa 1000 v. Chr. hergestellt wurde. Durch die Kreuzzüge verbreitete sich die Technik dann zwischen dem 11. und dem 13. Jahrhundert in Europa.

Später waren es vor allem Frauen aus England und Siedlerinnen aus Amerika, die das Patchwork weiterentwickelten und berühmt machen. In diesem Zuge entstand auch der Quilt. Ein Quilt ist eine Steppdecke, die meist aus drei Lagen besteht. Die unterste Lage auf der Rückseite ist eine einfache Stoffbahn, die Zwischenschicht besteht aus einem warmen Vlies. Oben befindet sich die dekorative Lage aus bunten Flicken, die oft zu einem hübschen Muster angeordnet sind.

Früher ging es beim Patchwork in erster Linie um den praktischen Nutzen. Zumal das Angebot in den Läden begrenzt war und das verwendet werden musste, was vorhanden war. Heute spielt die Optik eine große Rolle. Deshalb werden mittels Patchwork auch nicht mehr nur Decken, sondern ebenso Kissen, Wandbehänge und sogar Kleidungsstücke wie Jacken, Hosen oder Mützen angefertigt.

Die Materialien für eine gestrickte Patchworkdecke

Wenn Du eine Decke im Patchwork-Stil stricken willst, brauchst Du natürlich zunächst einmal Strickwolle. Dabei kannst Du eine echte Wolle, ein Garn aus Pflanzen- oder Kunstfasern oder ein Mischgarn verwenden. Für die typische Flicken-Optik sollten Deine Strickgarne außerdem mindestens zwei unterschiedliche Farben haben. Aber selbstverständlich spricht nichts dagegen, die Decke einfarbig zu arbeiten.

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Eine Patchworkdecke ist ein ideales Projekt, um Wollreste zu verwerten. Für die einzelnen Kästchen, aus denen die Decke besteht, brauchst Du nämlich immer nur kleine Garnmengen. Wenn Du verschiedene Garne und Wollen miteinander mischst, achte aber ein bisschen darauf, dass die Stärken ungefähr gleich sind.

Neben dem Garn brauchst Du Stricknadeln. Die Größe kannst Du passend zu Deiner Strickwolle wählen. Du kannst aber auch etwas größere Nadeln nehmen. Dadurch wird das Gewebe lockerer.

Außerdem solltest Du Dir eine Schere und eine Nähnadel mit stumpfer Spitze bereitlegen.

Die Techniken beim Stricken der Patchworkdecke

Für das Patchwork der Decke stricken wir Kästchen. Wenn ein Kästchen fertig ist, wird das nächste Feld direkt angestrickt. Dafür musst Du zum einen Maschen aus dem Rand herausstricken und zum anderen neue Masche aufstricken. Wie Du dabei vorgehst, erklären wir Dir jetzt.

Maschen aus dem Rand herausstricken

Um eine Masche aus dem Rand herauszustricken, stichst Du mit der rechten Nadel in das kleine Loch neben der jeweiligen Randmasche ein. Dann legst Du den Faden um die Nadel und ziehst sie durch. Damit hast Du eine neue Masche auf Deiner rechten Stricknadel. Für die nächste Masche stichst Du wieder in das Loch neben der folgenden Randmasche ein und holst den Faden durch die Masche als Schlinge auf die Nadel.

Tipp: Wenn Du möchtest, kannst Du für das Herausstricken der Randmaschen eine etwas dünnere Stricknadel verwenden. Das vermeidet Löcher. Eine andere Möglichkeit ist, dass Du mit einer Häkelnadel arbeitest und die Maschen dann von der Häkelnadel auf die Stricknadel gleiten lässt.

Neue Maschen aufstricken

Die Zunahmen arbeitest Du immer am rechten Rand Deines Strickteils. Drehe deshalb bei Bedarf Dein Strickstück so um, dass sich die erste Masche und der Faden am Anfang der linken Stricknadel befinden. Dann gehst Du so vor:

  • Du stichst mit der rechten Nadel in die erste Masche ein und holst den Faden, als würdest Du eine rechte Masche stricken.
  • Die Masche auf der linken Nadel und die Schlinge auf der rechten Nadel lässt Du aber nicht von den Nadeln gleiten.
  • Stattdessen ziehst Du die Schlinge auf der rechten Nadel etwas in die Länge.
  • Dann führst Du die linke Nadelspitze unter die Schlinge und hebst die Schlinge auf die linke Stricknadel.
  • Damit hast Du eine neue Masche aufgestrickt.
  • Für die nächste Zunahme stichst Du wieder wie zum Rechts-Stricken in die neu gebildete Masche ein und legst die Schlinge von der rechten auf die linke Nadel.
  • Das wiederholst Du sooft, bis Du die benötigte Maschenzahl aufgestrickt hast.

Die Anleitung fürs Stricken der Decke in der Patchwork-Technik

Wie bei Patchwork üblich, stricken wir die Decke aus lauter einzelnen Feldern. Allerdings stricken wir die Felder direkt aneinander. Dabei belassen wir es bei einem ganz einfachen Muster, nämlich kraus rechts. Kraus rechts bedeutet, dass Du sowohl in den Hinreihen als auch in den Rückreihen immer nur rechte Maschen strickst.

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Wenn Du möchtest, kannst Du aber natürlich auch Deine eigenen Ideen umsetzen und ein anderes Muster wählen, zum Beispiel glatt rechts oder das Perlmuster. Oder Du kannst verschiedene Muster miteinander mischen. Damit die Anleitung einfach und auch für weniger Geübte nachvollziehbar bleibt, arbeiten wir aber kraus rechts.

Die Maschenprobe anfertigen

Du kannst die Decke in jeder beliebigen Größe anfertigen. Eine kleinere Babydecke ist genauso möglich wie ein großes Plaid fürs Sofa. Auch die Größe der Quadrate kannst Du so festlegen, wie es Dir am besten gefällt. Damit es nicht zu kleinteilig wird, hat es sich aber bewährt, wenn Du die Felder mit ungefähr 10 bis 15 cm langen Kanten arbeitest.

Am besten fertigst Du zu Beginn eine Maschenprobe an. Dann kannst Du ausmessen, wie viele Maschen Du mit Deinem Garn brauchst um auf die gewünschte Kantenlänge zu kommen. Stricke die Maschenprobe dabei in dem Muster, das Du für die Decke verwenden willst. In unserem Fall wäre das kraus rechts.

Die Maschen anschlagen

Alle Felder der Decke werden nach dem gleichen Schema gestrickt. Dabei brauchst Du eine ungerade Maschenzahl. Am besten notierst Du Dir, wie viele Maschen Du angeschlagen hast. Denn diese Zahl begleitet Dich die ganze Zeit über.

Für das erste Quadrat schlägst Du die Maschenzahl an, die Du für Deine gewünschte Kantenlänge brauchst. Bei einer geraden Anzahl fügst Du noch eine Masche dazu.

Ein Beispiel: Angenommen, Deine Felder sollen 12 cm lange Kanten haben. Für diese 12 cm müsstest Du mit Deiner Wolle 38 Maschen stricken. Um auf eine ungerade Zahl zu kommen, würdest Du eine Masche ergänzen. Ein Quadrat hätte bei Dir demnach 39 Maschen.

Ein Kästchen der Patchwork-Decke stricken

Hast Du die Maschen angeschlagen, geht es so weiter:

1. Reihe: Die erste Reihe ist eine Rückreihe. Hier strickst Du alle Maschen rechts.

2. Reihe: In der zweiten Reihe, einer Hinreihe, strickst Du rechts, bis Du bei den drei mittleren Maschen angekommen bist. Nun hebst Du eine Masche rechts ab. Die beiden nächsten Maschen strickst Du rechts zusammen und ziehst anschließend die abgehobene Masche über die eben gestrickte Masche. Dadurch hast Du zwei Maschen abgenommen. Danach strickst Du die Reihe rechts zu Ende.

Damit es klarer wird, ein Beispiel: Angenommen, Du hast 39 Maschen angeschlagen. Dann würdest Du in der ersten Hinreihe 18 Maschen rechts stricken. Die 19. Masche hebst Du auf die rechte Nadel. Anschließend strickst Du die 20. und die 21. Masche rechts zusammen und hebst die abgehobene Masche über die eben gestrickte Masche. Die folgenden 18 Maschen strickst Du rechts. Am Ende der Reihe angekommen, hast Du noch 37 Maschen auf der Nadel.

Diese beiden Reihen wiederholst Du nun fortlaufend. Du arbeitest also immer abwechselnd eine Reihe über alle Maschen und strickst in der nächsten Reihe die drei mittleren Maschen überzogen zu einer Masche zusammen. Und das machst Du solange, bis nur noch eine Masche übrig ist. Diese Masche behältst Du auf der Nadel.

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Die erste Reihe der Decke stricken

Grafik zu Decke stricken Patchwork
Bei der Decke fügst Du die Felder von rechts nach links und von unten nach oben aneinander.

Das erste Feld, das Du gestrickt hast, bildet die rechte untere Ecke der Strickdecke. Nun machst Du von rechts nach links weiter.

Für das zweite Kästchen hast Du schon eine Masche auf der Nadel. Das ist die Masche, die vom ersten Feld übrig geblieben ist. Dann nimmst Du aus dem Seitenrand des ersten Feldes die Hälfte der Maschen auf, die Du für ein Kästchen brauchst. Die restlichen Maschen strickst Du neu auf.

Ein Beispiel: Wir brauchen für ein Quadrat 39 Maschen. Eine Masche ist schon vorhanden. Also stricken wir 19 Maschen aus dem Rand des ersten Feldes heraus und stricken 19 weitere Maschen auf. So kommen wir auf die benötigte Maschenzahl, denn 1 + 19 + 19 = 39.

Das zweite Feld strickst Du so, wie wir es eben beschrieben haben. Beim dritten und allen weiteren Feldern der ersten Reihe gehst Du nach dem gleichen Prinzip vor. Du strickst also jeweils die Hälfte der Maschen aus dem seitlichen Rand des vorhergehenden Feldes heraus und fügst die fehlenden Maschen durch Aufstricken hinzu. Dabei ist die Anzahl der Maschen, die Du heraus- und aufstrickst immer gleich.

Wenn die erste Reihe Deiner Decke so breit ist, wie Du sie haben möchtest, kannst Du den Faden abschneiden und durch die letzte Masche ziehen.

Die zweite und alle weiteren Reihen der Patchwork-Decke stricken

Für das erste Feld der zweiten Reihe schlägst Du zuerst die Hälfte der Maschen plus eine zusätzliche Masche an. Du brauchst jetzt eine Masche mehr, weil Du ja vom vorhergehenden Kästchen keine Masche übrig hast. Die andere Hälfte der Maschen für Dein Feld strickst Du aus dem oberen Rand vom Feld darunter heraus. Anschließend strickst Du wieder das Quadrat wie zuvor.

Beispiel: Um auf unsere 39 Maschen zu kommen, schlagen wir 20 Maschen an. Die fehlenden 19 Maschen nehmen wir, wie gehabt, aus dem oberen Rand des Feldes aus der Reihe darunter auf.

Das nächste Feld schließt sich seitlich an das erste Kästchen dieser Reihe und unten an das Kästchen der darunterliegenden Reihe an. Deshalb strickst Du nun die Maschen aus diesen beiden Kanten heraus. Dann arbeitest Du das Quadrat wie gewohnt.

Alle weiteren Felder strickst Du genauso. Bist Du am Ende einer Reihe angekommen, schneidest Du den Faden ab und ziehst ihn durch die letzte Masche. Anschließend beginnst Du die nächste Reihe wieder von rechts nach links.

Auf diese Weise wächst die Decke Feld für Feld und Reihe für Reihe. Hast Du die gewünschte Größe erreicht, musst Du nur noch die Fäden ordentlich vernähen. Damit ist Deine selbstgestrickte Patchwork-Decke fertig!