Häkeln mit Textilgarn: Anleitung für einen Korb aus DIY Garn

Aktualisiert am 18. Juni 2020 von Selda Bekar

Anleitung zu Häkeln mit Textilgarn
Fürs Häkeln mit Textilgarn musst Du kein Garn kaufen, sondern kannst es selbst herstellen.

Textilgarn ist ein recht dickes und robustes Garn. Es eignet sich sehr gut für größere Häkelarbeiten, die eher rustikal daherkommen sollen. Teppiche, Tischsets oder Taschen sind klassische Projekte fürs Häkeln mit Textilgarn. Dabei ist das Garn, das auch Bändchen- oder T-Shirt-Garn genannt wird, im Fachhandel in den verschiedensten Farben und Qualitäten erhältlich. Doch Du musst Dir gar nicht unbedingt ansehen, ob ein passendes Garn für Dein geplantes Projekt verfügbar ist. Wir zeigen Dir nämlich, wie Du aus ausgemusterten Kleidungsstücken ganz einfach Dein eigenes Textilgarn herstellen kannst. Und eine Häkelanleitung für ein Körbchen aus Textilgarn haben wir ebenfalls für Dich.

Ob T-Shirts, Tops, Nachthemden oder Sommerröcke: In fast jedem Kleiderschrank dürfte es Kleidungsstücke geben, die nicht mehr getragen werden. Denn mal sind die Klamotten zu klein geworden, in anderen Fällen haben sie Flecken oder Löcher. Manchmal ist der Stoff ausgeleiert oder die Farben sind verwaschen. Außerdem gibt es noch jene Teile, die eigentlich nicht mehr gefallen, an denen aber Erinnerungen hängen.

Solche Kleidungsstücke musst Du nicht entsorgen. Stattdessen kannst Du sie zu Textilgarn verarbeiten. Auf diese Weise können die alten Klamotten in neuem Glanz erstrahlen. Mit dem Textilgarn kannst Du nämlich häkeln, stricken, flechten, weben und basteln.

Und das Beste ist: Das DIY Textilgarn steht dem Garn, das zum Kauf angeboten wird, in nichts nach. Du kannst Dich also kreativ austoben und Geld sparen. Wie Du das Garn anfertigen kannst, zeigen wir Dir in dieser Anleitung. Und als Anregung geben wir Dir noch mit auf den Weg, wie Du mit dem Textilgarn ein Körbchen häkeln kannst.

Die Materialien für das DIY Textilgarn

Wenn Du Dein eigenes Textilgarn herstellen möchtest, brauchst Du im Prinzip nur zwei Dinge, nämlich

  • Kleidungsstücke wie zum Beispiel T-Shirts, Tops, Langarmshirts, Pyjama-Oberteile oder einfache Sommerröcke
  • und eine Stoffschere.

Optimal sind Kleidungsstücke, die einen hohen Anteil an Baumwolle haben und leicht elastisch sind. Solche Stoffe rollen sich später schön ein. Außerdem lässt sich das Garn gut verarbeiten. Textilien aus reiner Baumwolle neigen dazu, auszufransen. Ist der Stoff hingegen zu elastisch, ist das Häkeln mit dem Textilgarn etwas schwieriger.

Besonders gut eignen sich außerdem Kleidungsstücke ohne Seitennähte. Das Textilgarn wird dadurch nämlich schön gleichmäßig. Andernfalls hat das Garn dort, wo die Seitennähte sind, kleine Verdickungen.

Aber natürlich kannst Du Dein Textilgarn auch aus Textilien herstellen, die an den Seiten zusammengenäht sind. Denn beim Häkeln mit Textilgarn entstehen ohnehin meist größere und eher grobe Arbeiten wie Körbe, Taschen, Untersetzer oder Teppiche. Und hier fallen die kleinen Verdickungen nicht auf.

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Textilgarn selber machen: So geht’s

Es ist wirklich sehr einfach, eigenes Textilgarn herzustellen. Du musst nur darauf achten, den Stoff richtig auseinander zu schneiden. Denn wenn Du die Schnitte falsch setzt, hast Du am Ende keinen langen Faden, sondern lauter einzelne Ringe. Aber der Reihe nach!

1. Schritt: das Kleidungsstück zuschneiden

Grafik zu Häkeln mit TextilgarnZunächst musst Du Dein Kleidungsstück so zuschneiden, dass ein Schlauch daraus wird. Dafür trennst Du als erstes die Pflegetiketten heraus. Anschließend schneidest Du den Saum oder das Bündchen direkt über der Naht ab. Dann folgt noch ein Schnitt unterhalb der Ärmel oder Armausschnitte.

Den oberen Teil vom Kleidungsstück und den Saum brauchst Du für das Textilgarn nicht. Aber Du musst den Stoff nicht wegschmeißen. Stattdessen kannst Du daraus zum Beispiel Armbänder basteln oder Schleifen und Patches nähen.

2. Schritt: Streifen einschneiden

Nach dem Zuschnitt ist aus Deinem Kleidungsstück eine Art Schlauch geworden. Diesen Schlauch legst Du nun so vor Dich hin, dass die beiden geschlossenen Kanten nach oben und unten zeigen. Die beiden offenen Kanten, an denen Du eben die Schnitte gemacht hast, liegen rechts und links.

Dann faltest Du die Unterkante bis etwa 3 cm vor die Oberkante nach oben. Der 3 cm breite Streifen zwischen den beiden Kanten dient als Sicherheitsabstand soll vermeiden, dass Du den Stoff gleich zu weit einschneidest.

Richte jetzt noch die beiden offenen Seiten gerade aus. Sollten sie nicht ganz bündig verlaufen, kannst Du sie entsprechend zuschneiden.

DIY Garn 2Dann schneidest Du Streifen in den Stoff. Dabei beginnt jeder Schnitt an der Unterkante und geht bis zu der Stoffkante, die Du eben nach oben gefaltet hast. Du schneidest also immer dort, wo Dein Stoff in vier Lagen aufeinanderliegt. Den 3 cm breiten Rand lässt Du ganz.

Die Streifen solltest Du ungefähr daumenbreit arbeiten. Du musst die Abstände aber nicht genau ausmessen. Es genügt, wenn Du Dich an Deinem Daumen orientierst. Später wird es nicht ohnehin zu sehen sein, wenn Deine Streifen nicht ganz gleichmäßig sind.

Wähle die Streifen aber nicht viel schmaler als daumenbreit. Sonst wird Dein Textilgarn nicht stabil genug.

3. Schritt: die Streifen auseinanderschneiden

Mit Textilgarn häkeln 3Wenn Du die Streifen fertig hast, folgt der spannende Moment. Aus Deinem eingeschnittenen Schlauch wird jetzt nämlich ein langer Faden.

Dafür faltest Du den Stoff so auseinander, dass der breite, geschlossene Rand, den Du eben ausgespart hast, in der Mitte liegt. Dann schneidest Du den Stoff schräg vom Rand bis zum ersten Streifen ein. Damit hast Du schon mal den Anfang von Deinem Textilgarn.

Den nächsten Schnitt setzt Du wieder schräg an, so dass er zwischen dem ersten und dem zweiten Streifen verläuft. Danach kommt erneut ein schräger Schnitt, der den zweiten mit dem dritten Streifen verbindet.

Auf diese Weise arbeitest Du Dich bis zur anderen Seite vor. Du schneidest also immer diagonal zwischen zwei Streifen von rechts unten nach links oben. Es ist sehr wichtig, dass Du die Schnitte schräg machst. Denn wenn Du gerade schneiden würdest, käme kein langer Faden heraus. Stattdessen würden lauter Ringe entstehen.

Tipp: Du kannst Dir Deinen Schlauch auch über den Arm ziehen. Richte den Stoff dann so aus, dass der geschlossene Rand auf Deinem Arm verläuft und die Stoffringe nach unten hängen. Anschließend kannst Du die Streifen schräg auseinanderschneiden. So hast Du eine bessere Übersicht. Und mit jedem Schnitt fällt ein Stück Faden von Deinem Arm herunter.

4. Schritt: das Textilgarn zum Knäuel aufwickeln

Jetzt musst Du Dein Textilgarn nur noch aufwickeln. Dazu nimmst Du ein Ende, greifst ein Stück weiter und ziehst diesen Abschnitt etwas in die Länge. Durch das Ziehen wird Dein Garn zum einen länger. Zum anderen rollen sich die Seitenkanten ein.

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Zum Aufrollen kannst Du das Garn ein paar Mal um Deine Finger wickeln. Danach nimmst Du das aufgewickelte Textilgarn herunter und umwickelst das Knäuel immer weiter. Denke aber daran, das Garn vor dem Aufrollen stückweise in die Länge zu ziehen.

Hatte Dein Kleidungsstück Seitennähte, solltest Du an den Nahtstellen behutsam vorgehen. Ziehe hier nicht zu sehr am Garn. Die Seitenkanten rollen sich sowieso kaum ein. Und wenn Du zu straff ziehst, löst sich möglicherweise die Naht.

Hast Du den kompletten Faden aufgewickelt, ist Dein DIY Textilgarn fertig. Nun kannst Du noch weitere Kleidungsstücke verarbeiten, damit Du einen größeren Vorrat hast. Oder Du suchst Dir gleich ein Projekt, das Du mit Deinem Textilgarn häkeln kannst.

Häkeln mit Textilgarn: Anleitung für ein Körbchen

Es gibt unzählige Dinge, die sich fürs Häkeln mit Textilgarn anbieten. So kannst Du zum Beispiel eine Tasche, Tischsets, Topflappen oder einen Teppich daraus anfertigen. Eine andere Möglichkeit ist ein kleiner Korb. Dafür brauchst Du neben dem Textilgarn eine dicke Häkelnadel in Stärke 10 bis 12. Und dann kann es auch schon losgehen!

1. Die Maschen anschlagen

Wir häkeln das Körbchen in einer ganz einfachen Version, indem wir nur Spiralrunden aus festen Maschen arbeiten.

Bei Spiralrunden wird fortlaufend im Kreis herum gehäkelt. Du musst die Runden also nicht mit Kettmaschen beenden und mit Luftmaschen beginnen. Stattdessen häkelst Du immer rundherum weiter. Durch die Kombination aus dem recht dicken Textilgarn und den festen Maschen entsteht ein stabiles Gewebe, das dem Korb den nötigen Halt gibt.

Deinen Korb beginnst Du mit drei Luftmaschen. Diese Maschen schließt Du mit einer Kettmasche zum Ring.

2. Den Boden häkeln

Ab jetzt geht es mit Spiralrunden weiter. Allerdings nimmst Du in jeder Runde neue Maschen auf, damit sich der Durchmesser des Bodens nach und nach vergrößert. Um die Maschen zuzunehmen, verdoppelst Du die jeweilige Masche. Verdoppeln heißt, dass Du zwei feste Maschen in dieselbe Masche häkelst.

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Damit Du den Überblick nicht verlierst, solltest Du Dir den Anfang der Runde mit einem Marker oder einem Stück Faden kennzeichnen. Das macht es einfacher, die Runden und die Zunahmen zu zählen. Dann gehst Du so vor:

1. Runde: Du startest mit einer Luftmasche. Danach häkelst Du sechs feste Maschen in die drei Luftmaschen.

2. Runde: Alle Maschen verdoppeln. In jede feste Masche der Vorrunde häkelst Du also zwei feste Maschen = 12 Maschen.

3. Runde: Jede zweite Masche verdoppeln. In dieser Runde häkelst Du somit immer im Wechsel eine Masche als normale feste Masche und in die folgende Masche zwei feste Maschen = 18 Maschen.

4. Runde: Jede dritte Masche verdoppeln = 24 Maschen.

Würdest Du die Zunahmen nach diesem Schema fortsetzen, würde Dein Boden sechseckig werden. Denn die Zunahmen würden alle in einer Linie verlaufen. Damit das nicht passiert, verschieben wir die Zunahmen ab jetzt in jeder ungeraden Reihe. Weiter geht es deshalb so:

5. Runde: 6x *eine Masche verdoppeln, drei feste Maschen* = 30 Maschen

6. Runde: Jede fünfte Masche verdoppeln = 36 Maschen.

7. Runde: 6x *eine Masche verdoppeln, vier feste Maschen* = 42 Maschen

8. Runde: Jede siebte Masche verdoppeln = 48 Maschen

Es bleibt also dabei, dass in jeder Runde sechs Maschen dazukommen und sich der Abstand zwischen den Zunahmen jeweils um eine Masche vergrößert. Nur beginnst Du die Runden einmal mit den Zunahmen und einmal mit gerade gehäkelten Abschnitten. Und das machst Du solange, bis Dein Boden so groß ist, wie Du ihn haben möchtest.

3. Die Seitenwände häkeln

Hat der Boden Deines Korbes den gewünschten Durchmesser erreicht, häkelst Du in Spiralrunden über die vorhandenen Maschen weiter. Du musst jetzt also keine neuen Maschen mehr hinzufügen. Stattdessen arbeitest Du in jede Masche der Vorrunde eine feste Masche. Auf diese Weise wächst der Rand Deines Körbchens in die Höhe.

Auch hier arbeitest Du wieder solange weiter, bis Dein Korb die gewünschte Höhe erreicht hat.

Tipp: Stellst Du einen ziemlich großen Korb her, kannst Du den Rand doppelt so hoch arbeiten. Wenn Du die Seitenwand dann später nach innen umklappst, wird Dein Korb sehr stabil.

4. Den Korb beenden

Damit Dein Korb einen schönen Abschluss bekommt, kannst Du jetzt noch eine Runde Krebsmaschen häkeln.

Krebsmaschen sind feste Maschen, die Du rückwärts häkelst. Du arbeitest also nicht wie sonst von rechts nach links. Stattdessen stichst Du immer in die Masche rechts neben der eben gehäkelten Masche ein. Auf diese Weise kommst Du andersherum an den Anfang der Runde zurück.

Nach der letzten Krebsmasche beendest Du die Runde mit einer Kettmasche. Dann kannst Du den Faden abschneiden und durch die Schlinge ziehen. Nun musst Du nur noch die Fäden ordentlich vernähen. Damit ist Dein Körbchen aus Textilgarn fertig!