Aktualisiert am 25. Oktober 2026 von Selda Bekar
Maschen aufnehmen heißt, aus einer fertigen Kante neue Maschen auf die Nadel zu holen: Du stichst mit der Nadel durch das Gestrick, holst den Arbeitsfaden als Schlinge durch und hast eine neue Masche. So entstehen Halsblenden, Knopfleisten, Bündchen an Ärmeln und der Zwickel einer Socke, ohne dass du ein zweites Teil annähen musst. Wenn du mit „Maschen aufnehmen“ den Anfang eines Strickstücks meinst, also die allererste Reihe, dann suchst du den Maschenanschlag; der ist unter Maschen stricken und anschlagen erklärt.
Alles, was nach dem Anschlag kommt, steht hier: aus der Seitenkante, aus einer Anschlag- oder Abkettkante, am Halsausschnitt, an der Fersenwand und nach dem Auftrennen. Jede Kante hat ihre eigene Einstichstelle, und an der Einstichstelle entscheidet sich, ob die Blende später glatt liegt.
Was du vor dem ersten Einstich bereitlegst
Du brauchst eine Nadel in der Stärke, mit der du die Blende stricken willst, meist eine Rundstricknadel, weil eine Halsblende oder eine lange Knopfleiste viele Maschen trägt. Dazu den Arbeitsfaden, ein paar Maschenmarkierer und deine Maschenprobe, also das Probestück, an dem du gezählt hast, wie viele Maschen und Reihen auf 10 cm kommen. Ohne diese beiden Zahlen rätst du beim Aufnehmen.
Lege das Teil mit der rechten Seite nach oben vor dich. Aufgenommen wird fast immer von der rechten Seite aus, damit die kleine Naht, die beim Aufnehmen entsteht, auf der Innenseite liegt.
Aus der Seitenkante aufnehmen
Die Seitenkante ist der Rand, an dem die Reihen enden, etwa die Vorderkante einer Jacke. Ganz außen läuft die Randmasche hoch, die erste und letzte Masche jeder Reihe. Sie ist oft locker oder abgehoben und taugt nicht als Halt.
- Stich zwischen der Randmasche und der ersten vollen Masche daneben ein, von vorn nach hinten durch das Gestrick.
- Lege den Arbeitsfaden hinten um die Nadelspitze, wie beim Rechtsstricken.
- Ziehe die Schlinge nach vorn durch. Sie bleibt als neue Masche auf der Nadel.
- Gehe eine Reihe höher und wiederhole das, immer in derselben senkrechten Linie.
Bleib exakt in dieser einen Linie. Wechselst du zwischendurch eine halbe Masche nach innen oder außen, sieht man später einen Knick in der Blende. Bei glatt rechts liegt die Linie zwischen zwei V-Spalten; im Kraus-rechts-Muster stichst du in die kleinen Knötchen am Rand, ein Knötchen entspricht dort zwei Reihen.
Wie viele Maschen aus der Kante kommen
Eine Reihe ist niedriger als eine Masche breit ist. Wenn du aus jeder Reihe eine Masche aufnimmst, hast du mehr Maschen, als die Kante tragen kann, und die Blende wellt sich. Das Verhältnis steht in deiner Maschenprobe.
Ein Beispiel: Deine Probe zeigt 22 Maschen und 30 Reihen auf 10 cm. Teilst du 22 durch 30, kommst du auf 0,73. Auf vier Reihen kommen also knapp drei Maschen. In der Praxis nimmst du aus drei Reihen je eine Masche auf und lässt die vierte aus. Ist die Kante 120 Reihen hoch, ergibt das 120 × 22 ÷ 30 = 88 Maschen.
Du kannst auch über die Länge gehen: Miss die Kante und rechne mit den Maschen je 10 cm aus deiner Probe. Die 120 Reihen aus dem Beispiel sind bei 30 Reihen auf 10 cm genau 40 cm hoch, und 40 cm × 22 Maschen ÷ 10 cm ergibt ebenfalls 88 Maschen. Beide Wege führen zum selben Ziel; die Länge ist praktischer, wenn du die Reihen nicht mehr sauber zählen kannst.
Ein Rippenbündchen zieht sich stärker zusammen als glatt rechts. Soll die Blende eng anliegen, nimmst du etwas weniger Maschen als errechnet, soll sie locker fallen, die errechnete Zahl. Wie viel weniger, zeigt dir nur ein Probestreifen an der Maschenprobe, denn das hängt von Garn und Nadel ab.
Damit sich die Maschen gleichmäßig verteilen, teile die Kante vorher mit Markierern in gleich lange Stücke, etwa alle 10 cm. Dann rechnest du die Maschenzahl je Stück aus und kontrollierst nach jedem Stück. Ein Fehler fällt so nach 10 cm auf und nicht erst am Ende.
Aus Anschlag- oder Abkettkante aufnehmen
An der Anschlagkante unten und an der Abkettkante oben liegen die Maschen nebeneinander, nicht übereinander. Hier stimmt die Zahl von selbst: Du nimmst aus jeder Masche eine neue Masche auf.
Stich dafür in die Mitte des V direkt unterhalb der Kante, nicht in die liegende Kette der abgeketteten Maschen. Die Kette ist dünn und verzieht sich, wenn du an ihr ziehst; das V darunter hält.
Nimmst du an der Anschlagkante auf, um ein Teil nach unten zu verlängern, verschiebt sich das Maschenbild um eine halbe Masche gegen das Gestrick darüber. Bei glatten Flächen sieht man das kaum, bei Rippen- oder Zopfmustern schon. Wer von vornherein weiß, dass er dort weiterstricken will, schlägt besser mit einem Hilfsfaden an.
Am Halsausschnitt für Bündchen und Blende
Ein runder Halsausschnitt besteht aus mehreren Kantenarten auf einmal, und für jede gilt das, was oben steht:
- Stillgelegte Maschen in der vorderen und hinteren Mitte nimmst du direkt von der Hilfsnadel auf die Rundstricknadel, ohne neuen Einstich.
- Abgekettete Maschen der ersten Abnahmen behandelst du wie eine Abkettkante: aus jeder Masche eine neue.
- Senkrechte Stücke an den Seiten folgen dem Verhältnis aus deiner Maschenprobe, also etwa drei Maschen aus vier Reihen.
- Schräge Stücke sind länger, als ihre Reihenzahl vermuten lässt, weil die Kante diagonal verläuft. Miss hier die Länge der Schräge und rechne über die Maschen je 10 cm, statt die Reihen zu zählen.
Setze an jeden Übergang zwischen diesen Stücken einen Markierer und rechne die Maschenzahl für jedes Stück einzeln aus. Die Gesamtzahl muss am Ende zum Muster des Bündchens passen, für 1 rechts 1 links also eine gerade Zahl. Fehlt eine Masche, nimmst du sie im längsten Stück zusätzlich auf.
An den Stufen, die beim Abketten in mehreren Schritten entstehen, sitzt oft ein kleines Loch. Stich dort eine Reihe tiefer ein, unterhalb der Stufe, und nimm aus dem Querfaden zwischen den Stufen eine zusätzliche Masche auf. In der ersten Runde des Bündchens strickst du diese Masche mit ihrer Nachbarin zusammen. Das Loch ist dann geschlossen, und die Maschenzahl stimmt wieder.
Für den V-Ausschnitt mit seiner Mittelmasche gilt dasselbe Prinzip; wie die Spitze sauber wird, steht unter V-Ausschnitt stricken. Die übrigen Ausschnittformen findest du unter Ausschnitt stricken.
Mit der Häkelnadel aufnehmen
Eine Häkelnadel hilft, wenn die Kante fest gestrickt ist oder die Stricknadel zu dick ist, um sauber durchzukommen. Du stichst mit der Häkelnadel an derselben Stelle ein wie oben beschrieben, holst den Faden, ziehst die Schlinge durch und schiebst sie auf die Stricknadel. Dann der nächste Einstich. Die Einstichstelle und die Maschenzahl ändern sich dadurch nicht; die Häkelnadel ersetzt nur die Nadelspitze.
An der Fersenwand einer Socke
Bei der klassischen Käppchenferse nimmst du nach dem Käppchen Maschen an beiden Seiten der Fersenwand auf. Die Fersenwand hat meist einen Kettrand: Die erste Masche jeder Reihe wurde abgehoben, deshalb siehst du an der Kante eine lange Masche für jeweils zwei Reihen. Aus jeder dieser langen Randmaschen nimmst du eine Masche auf. Eine Fersenwand mit 16 Reihen ergibt so 8 Maschen je Seite.
Zwischen Fersenwand und den stillgelegten Maschen des Spanns entsteht gern ein Loch. Nimm dort eine Masche zusätzlich aus dem Querfaden auf und stricke sie in der nächsten Runde mit der Nachbarmasche zusammen. Die aufgenommenen Maschen bilden den Zwickel, der in den folgenden Runden wieder abgenommen wird. Den ganzen Ablauf zeigt Ferse stricken.
Maschen nach dem Auftrennen wieder auf die Nadel nehmen
Hier holst du keinen neuen Faden durch, sondern setzt offene Maschen zurück auf die Nadel. Am sichersten geht das mit einer dünneren Nadel als der Arbeitsnadel.
- Trenne bis eine Reihe über der Stelle auf, an der du weiterstricken willst.
- Ziehe die letzte Reihe langsam Masche für Masche auf und stich jede frei werdende Masche sofort mit der dünnen Nadel auf.
- Prüfe die Lage: Das rechte Bein jeder Masche liegt vor der Nadel. Liegt es hinten, ist die Masche verdreht; strick sie in der nächsten Reihe von hinten ab oder setze sie um.
- Stricke die erste Reihe mit der normalen Nadel ab.
Wenn du einen Ausschnitt oder eine Knopflochreihe noch nicht sicher findest, zieh vorher einen glatten Hilfsfaden mit einer Sticknadel durch eine Reihe. Bis zu diesem Faden kannst du jederzeit zurücktrennen, die Maschen bleiben darauf gefangen.
Woran du einen Fehler erkennst
Die meisten Fehler zeigen sich schon nach zwei oder drei Reihen der Blende. Spätestens dann lohnt ein Blick auf die Kante, mit dem Teil flach auf dem Tisch.
| Was du siehst | Woher es kommt | Was hilft |
|---|---|---|
| Kleine Löcher entlang der Blende | Einstich in die Randmasche selbst oder in die Lücke zwischen zwei Reihen | Eine Masche weiter innen einstechen, durch volles Gestrick |
| Blende wellt oder kräuselt sich | Zu viele Maschen, meist aus jeder Reihe eine | Neu aufnehmen nach dem Verhältnis aus der Maschenprobe |
| Kante zieht sich zusammen, Blende spannt | Zu wenige Maschen, zu dünne Nadel oder zu fest aufgenommen | Mehr Maschen aufnehmen oder eine Nadelstärke größer |
| Eine Seite dichter als die andere | Maschen nicht abschnittsweise verteilt | Markierer setzen, je Abschnitt zählen |
| Knick oder Zickzack in der Aufnahmelinie | Einstich mal weiter innen, mal weiter außen | In einer senkrechten Linie bleiben, zur Not mit Faden markieren |
| Loch an einer Ecke oder Stufe | Übergang zwischen zwei Kantenarten nicht geschlossen | Masche aus dem Querfaden aufnehmen und zusammenstricken |
Wenn du unsicher bist, ob die Zahl stimmt, stricke drei Reihen der Blende und lege das Teil flach hin. Wellt nichts und zieht nichts, strick weiter. Sonst ziehst du nur diese drei Reihen und die aufgenommenen Maschen auf, nicht das ganze Teil.