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V-Ausschnitt stricken: Abnahmen, Mittelmasche und Blende

4 Arbeitsschritte Zuletzt geprüft 25.10.2026
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Aktualisiert am 25. Oktober 2026 von Selda Bekar

Der häufigste Grund für einen schiefen V-Ausschnitt ist nicht die Abnahmezahl, sondern die Richtung der Abnahme: Wer beide Schrägen mit „zwei Maschen rechts zusammenstricken“ arbeitet, bekommt auf einer Seite eine saubere Linie und auf der anderen eine ausgefranste Kante. Die beiden Ausschnittkanten brauchen gespiegelte Abnahmen. Wie du die Mitte teilst, welche Abnahme an welche Kante gehört und wie du die Blende anstrickst, steht unten Schritt für Schritt.

Mitte finden und das Vorderteil teilen

Ein V-Ausschnitt beginnt in der Höhe, die deine Anleitung als Ausschnittbeginn angibt. Ab dort strickst du die beiden Seiten getrennt, genau wie beim runden Halsausschnitt.

1.) Zähle die Maschen auf der Nadel und setze einen Markierer in die Mitte. Bei einer ungeraden Maschenzahl gibt es eine Mittelmasche: die eine Masche, die genau in der Spitze des V sitzt. Du legst sie auf eine Sicherheitsnadel still und nimmst sie später für die Blende wieder auf. Bei einer geraden Maschenzahl teilst du einfach in zwei gleich große Hälften.

2.) Stricke die Hinreihe bis zur Mitte. Die Maschen der zweiten Hälfte legst du auf eine Hilfsnadel oder einen Faden still. Einige Anleitungen ketten in der Mitte 1 bis 3 Maschen ab, damit die Spitze breiter wird; das ist eine Gestaltungsfrage, keine Pflicht.

Gestricktes Vorderteil mit V-Ausschnitt und betonter Abnahme entlang der Schräge3.) Arbeite die erste Seite bis zur Schulter fertig. Die Abnahmen liegen dabei am Ende der Hinreihe, also an der Ausschnittkante. In den Rückreihen strickst du die Maschen so, wie sie erscheinen, und nimmst nicht ab.

4.) Nimm die stillgelegten Maschen der zweiten Seite wieder auf die Nadel und setze den Faden an der Ausschnittkante neu an. Hier liegt die Abnahme am Anfang der Hinreihe. Beide Seiten bekommen in denselben Reihen gleich viele Abnahmen, sonst endet eine Schulter höher als die andere.

Rechte und linke Ausschnittkante: gespiegelte Abnahmen

Eine Abnahme hat immer eine Neigung. Zusammengestrickte Maschen legen sich nach rechts, eine überzogene Abnahme legt sich nach links. Die Neigung muss der Kante folgen, an der sie sitzt. Die Seiten sind hier so benannt, wie du das Vorderteil von vorn, also von der rechten Warenseite, ansiehst.

Teil (von vorn betrachtet) Ausschnittkante in der Hinreihe Abnahme Neigung
Rechter Teil am Ende der Reihe 2 Maschen rechts zusammenstricken nach rechts
Linker Teil am Anfang der Reihe 1 Masche rechts abheben, 1 Masche rechts stricken, die abgehobene darüberziehen nach links

Wenn du unsicher bist, welche Kante du gerade vor dir hast, hilft der Wegweiser:

Abnahme-Wegweiser



Betonte Abnahme: die Ziernaht entlang der Schräge

Bei der betonten Abnahme nimmst du nicht direkt an der Randmasche ab, sondern immer ein oder zwei Maschen weiter innen. Zwischen Kante und Abnahme bleibt dadurch ein schmaler Streifen glatter Maschen stehen, und die schräg liegenden Abnahmemaschen bilden eine sichtbare Linie. Dieselbe Technik kennst du von der Raglanschräge.

Entscheidend ist, dass die Abnahme in jeder Abnahmereihe an derselben Stelle sitzt, gleich ob du in jeder 2. oder in jeder 4. Reihe abnimmst. Rutscht sie einmal eine Masche nach innen oder außen, zeigt die Linie einen Knick.

Die betonte Abnahme hat einen zweiten Vorteil: Die Kante ist so sauber, dass du auf eine Blende verzichten kannst. Das ist die einfachste Form des V-Ausschnitts.

Schema eines V-Ausschnitts mit Mittelmasche und gespiegelten Abnahmen Mittelmasche (stillgelegt) linker Teil: überzogen, Reihenanfang rechter Teil: zusammen, Reihenende

Gestrichelt: die Linie der betonten Abnahme, eine Masche innerhalb der Ausschnittkante. Ansicht von vorn.

Abnahmen auf die Ausschnitttiefe verteilen

Wie oft du abnimmst, ergibt sich aus zwei Zahlen deiner Anleitung oder deines Schnitts: der Tiefe des Ausschnitts und seiner Breite an der Schulter. Dazu brauchst du deine Maschenprobe. Ein Rechenweg mit Beispielwerten:

  1. Maschenprobe (Beispiel): 22 Maschen und 30 Reihen auf 10 cm.
  2. Ausschnitttiefe 20 cm ergibt 20 × 3 = 60 Reihen.
  3. Ausschnittbreite 16 cm ergibt 16 × 2,2 = rund 35 Maschen. Mit einer Mittelmasche bleiben 34, also 17 Abnahmen je Seite.
  4. 17 Abnahmen auf 60 Reihen verteilt: 60 ÷ 17 ergibt etwa 3,5. Da du nur in Hinreihen abnimmst, wechselst du zwischen jeder 2. und jeder 4. Reihe: 4 × in jeder 2. Reihe und 13 × in jeder 4. Reihe ergibt 8 + 52 = 60 Reihen und 17 Abnahmen.

Die dichteren Abnahmen legst du an den Anfang, also nahe an die Spitze; zur Schulter hin laufen die Schrägen dann steiler aus.

Blende anstricken oder ohne Blende arbeiten

Für eine Blende schließt du zuerst die Schulternähte. Dann nimmst du mit der Rundstricknadel Maschen aus der Ausschnittkante auf, die Mittelmasche von der Sicherheitsnadel eingeschlossen. Ein verbreiteter Richtwert für glatt rechts gestrickte Kanten sind 3 aufgenommene Maschen aus 4 Reihen. Prüfe ihn an deiner Maschenprobe: Zieht die Blende das Vorderteil zusammen, waren es zu wenige; wellt sie sich, zu viele.

Bei einem Bündchen aus 1 Masche rechts und 1 Masche links verteilst du die Rippen so, dass die Mittelmasche eine rechte Masche ist. In der Spitze nimmst du in jeder Runde doppelt ab, damit die Blende flach liegt: bis 1 Masche vor der Mittelmasche stricken, die nächste Masche und die Mittelmasche zusammen wie zum Rechtsstricken abheben, 1 Masche rechts stricken, die beiden abgehobenen darüberziehen. Die Mittelmasche liegt danach weiter oben und bildet eine durchgehende Linie bis in die Spitze.

Für den überlappenden V-Ausschnitt strickst du die Blende nicht in Runden, sondern in Reihen hin und zurück und nähst die beiden Enden in der Spitze übereinander an.

V-Ausschnitt ohne Naht und an der Strickjacke

Strickst du den Pullover in Runden, arbeitest du bis zum Ausschnittbeginn rund und ab der Spitze in Reihen hin und zurück weiter, weil das V die Runde öffnet. Wer von oben nach unten strickt, arbeitet den Ausschnitt umgekehrt: Zunahmen an beiden Kanten, bis die beiden Vorderteile in der Mitte zusammentreffen, dann wird die Runde geschlossen.

Bei einer Strickjacke ist das Vorderteil schon geteilt. Die Abnahmen sitzen an der Vorderkante jedes Vorderteils, ab der Höhe des Ausschnittbeginns. Die Blende läuft später in einem Stück von unten über den Nacken wieder nach unten und trägt auf einer Seite die Knopflöcher. Am Pullunder funktioniert der V-Ausschnitt wie am Pullover.

Fehlerbild: schiefe Spitze, ungleiche Schrägen, welliger Rand

  • Eine Schräge ist sauber, die andere zackig: Beide Seiten wurden mit derselben Abnahme gearbeitet. Die Neigung muss gespiegelt sein, siehe Tabelle oben.
  • Die Ziernaht knickt: Die Abnahme ist in einer Reihe um eine Masche verrutscht. Zähle in jeder Abnahmereihe ab der Randmasche.
  • Loch in der Spitze: Beim Teilen ist der Faden zu locker angesetzt oder die Mittelmasche wurde nicht mit aufgenommen. Das Loch lässt sich beim Vernähen der Fäden zuziehen, sauberer ist die doppelte Abnahme in der Blende.
  • Eine Schulter ist höher: Die Seiten haben unterschiedlich viele Reihen oder Abnahmen. Notiere dir für die erste Seite jede Abnahmereihe und arbeite die zweite danach.
  • Die Blende wellt oder zieht: Die Zahl der aufgenommenen Maschen passt nicht zur Kante. Aufziehen und mit angepasster Zahl neu aufnehmen.

Wie die Schräge am Ärmel entsteht, steht unter Ärmel stricken.

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