Aktualisiert am 23. September 2026 von Selda Bekar
Es ist noch gar nicht lange her, als das Stricken für viele nur eine eher lästige Pflichtübung im schulischen Handarbeitsunterricht war. Und als Hobby vor allem mit Großmüttern in Verbindung gebracht wurde. Wer sich mit Stricknadeln und Wolle in der Öffentlichkeit zeigte, wurde belächelt. Doch inzwischen hat das Stricken nicht nur ein großes Comeback erlebt, sondern sich sogar zu einem angesagten Trend entwickelt. Wollläden, Strickcafés und Online-Strickforen gehören längst zum Bild, und selbst Promis lassen sich strickend ablichten. Dabei gibt es einige Argumente, die fürs Stricken sprechen: Es macht Spaß und tut nach verbreiteter Erfahrung auch dem Wohlbefinden gut. Für einen Teil dieser Wirkungen gibt es Hinweise aus der Forschung, belastbare Belege sind aber dünn gesät. Wir nennen Dir 10 Gründe, die fürs Stricken sprechen.
1. Stricken baut Stress ab.
Der Harvard-Mediziner Herbert Benson beschreibt Stricken als eine Tätigkeit, die die sogenannte Entspannungsreaktion auslösen kann. Ähnlich wie beim Beten, bei Yoga oder beim Meditieren können die Gedanken beim Stricken abschweifen. Die Mischung aus rhythmischen Bewegungen, monotonen Abläufen und dem Klappern der Nadeln wirkt dabei ähnlich wie ein Mantra. Während die Gedanken umherschweifen, bleibt der Verstand mit der Strickarbeit beschäftigt – viele empfinden das als angenehm geerdet.
2. Stricken macht glücklich.
Stricken lenkt ab, beschäftigt die Hände und hilft manchen Menschen über schwere Zeiten hinweg; in Kliniken und Reha-Einrichtungen wird es deshalb auch als Beschäftigung angeboten. Und ein fertiges Stück in den Händen zu halten, ist ein Erfolgserlebnis. Befragungen deuten darauf hin, dass Menschen, die regelmäßig handarbeiten, sich zufriedener fühlen. Stattdessen hilft das Stricken auch dabei, sich Aufgaben zu stellen, sich klare Ziele zu setzen und diese Ziele konsequent zu verfolgen.
3. Stricken ist Training für beide Gehirnhälften.
Beim Stricken werden beide Hirnhälften in Anspruch genommen. So muss die eine Hirnhälfte die Bewegungen der Hände steuern und koordinieren. Gleichzeitig ist die andere Hirnhälfte in Sachen Konzentrationsfähigkeit, logisches Denkvermögen und Vorstellungskraft gefragt. Allein schon beim Lesen einer Strickanleitung musst Du Dir schließlich ein Bild davon machen können, was ungefähr auf Dich zukommt. Und wie Dein fertiges Werk wohl aussehen wird. Ganz nebenbei trainiert das Stricken auch die mathematischen Fähigkeiten. Immerhin gilt es auszurechnen, wie viel Wolle Du brauchst, wie viele Maschen Du anschlagen und wie viele Reihen Du stricken musst.
4. Stricken hilft bei Schlafproblemen.
Beim Stricken können Blutdruck und Puls sinken. Zudem entspannt das Stricken und hilft dabei, den Stress und die Hektik des Alltags hinter sich zu lassen. Beim Stricken kannst Du abschalten. Dies wiederum wirkt sich günstig aus, wenn Du Probleme beim Ein- und Durchschlafen hast.
5. Stricken trainiert die Fingermuskulatur.
Das Zusammenspiel beider Hände und die Bewegungen der Finger sind ein gutes Training für die Hand- und Fingermuskulatur und damit auch für die Feinmotorik. In der Ergotherapie wird Stricken unter anderem eingesetzt, um Beweglichkeit und Feinmotorik der Hände zu üben. Ob und wie viel bei Gelenk- oder Nervenbeschwerden sinnvoll ist, gehört aber in die Hand der behandelnden Praxis – übertreiben sollte man es nicht, und regelmäßige Pausen sind wichtig.
6. Stricken steigert die Gedächtnisleistung.
Zum Zusammenhang von Stricken und Gedächtnis gibt es Untersuchungen, nach denen Probanden bereits vorhandenes Wissen besser abrufen konnten, wenn sie nebenbei strickten. Um Neues zu lernen, eignet sich das Stricken als begleitende Tätigkeit hingegen eher nicht. Aber wenn gestrickt und gleichzeitig Gelerntes abgefragt wird, gelangt das Wissen ins Langzeitgedächtnis und wird dort abgespeichert. Insofern kann das Stricken zu einem besseren Erinnerungsvermögen und einer gesteigerten Gedächtnisfähigkeit beitragen.
7. Stricken fördert Kreativität und Individualität.
Beim Stricken wirst Du in vielen Fällen Strickanleitungen nacharbeiten. Doch obwohl Du nach Vorgabe strickst, fertigst Du individuelle Einzelstücke an. Schließlich ist das Stricken eine Handarbeit und jedes handgestrickte Stück entsteht so nur ein einziges Mal. Gleichzeitig ermöglicht Dir das Stricken, Deine eigenen Ideen umzusetzen. Selbst wenn Du nur eine andere Wolle verwendest oder ein anderes Muster strickst, hast Du schon Deine eigene Kreation angefertigt. Im Laufe der Zeit wirst Du Strickanleitungen dann ohnehin nur als Anregung verstehen und nach Deinen Vorstellungen abwandeln. Durch Deine Strickarbeiten unterstreichst Du zudem Deine Persönlichkeit. Immerhin trägst Du keine Kleidungsstücke und Accessoires von der Stange, die sich jeder kaufen kann.
8. Stricken trainiert das Durchhaltevermögen.
Es dauert immer seine Zeit, bis eine Strickarbeit fertiggestellt ist. Manchmal sind es zwar nur ein paar Stunden und Dein Werk ist beendet. Manchmal werkelst Du aber wochenlang an einer Strickarbeit. Allerdings sind gerade größere und aufwändigere Strickstücke ein ideales Training für das Durchhaltevermögen. Denn statt mittendrin oder kurz vor dem Ziel aufzugeben, arbeitest Du tapfer weiter – und wirst am Ende mit einer schönen Strickarbeit belohnt. Dies wiederum wird Dich motivieren und ein Gefühl von Stolz und Zufriedenheit hervorrufen. Schließlich hältst Du etwas in den Händen, das Du ganz persönlich geschaffen hast.
9. Stricken fördert das Konzentrationsvermögen.
Beim Stricken führst Du zwar recht monotone Bewegungen aus und mit etwas Übung musst Du nicht mehr darüber nachdenken, wie die jeweiligen Maschen gestrickt werden. Stattdessen strickst Du mehr oder weniger automatisch. Trotzdem musst Du Dich konzentrieren. Dies gilt vor allem dann, wenn Du schwierigere Muster strickst oder Motive in Deine Strickarbeit einarbeitest. Auch Zu- und Abnahmen, das Aufnehmen und Abketten der Maschen oder das Zusammennähen von Strickstücken erfordert Aufmerksamkeit. Deshalb ist das Stricken eine sehr gute Übung für Deine Konzentrationsfähigkeit.
10. Stricken stärkt das Selbstvertrauen und das Gefühl, dazuzugehören.
Wenn Du eine Strickarbeit abgeschlossen hast, wirst Du zu Recht glücklich und stolz sein. Gleichzeitig wächst auch Dein Selbstvertrauen, denn Du hast ein Ziel erreicht und eine Aufgabe erfolgreich gemeistert.
Das Stricken selbst ist eine Tätigkeit, die Du alleine machst. Doch trotzdem ist das Stricken auch ein kommunikatives Hobby. So wirst Du Dich vielleicht in einem Onlineforum mit Gleichgesinnten austauschen oder Dir dort Tipps und Infos holen. Möglicherweise gibt es an Deinem Wohnort eine Handarbeitsgruppe oder ein Strickcafé, wo Du Dich regelmäßig mit anderen Strickern treffen und in geselliger Runde an Deinen Strickstücken arbeiten kannst.