Weste stricken

Manchmal ist es für einen Pullover zu warm, für ein T-Shirt oder ein dünnes Langarmshirt aber zu kalt. Dann kann eine Weste die ideale Lösung sein. Und wie Du Dir selbst als Strickanfänger ganz einfach eine tolle Weste stricken kannst, zeigen wir Dir in dieser Anleitung.

Ein paar Worte vorab

Eine Weste ist im Grunde genommen eine Strickjacke ohne Ärmel. Dabei kannst Du die Weste vorne offen lassen, mit Knöpfen oder einem Reißverschluss ausstatten oder mit einem Gürtel zusammenhalten. Du kannst die Weste ganz schlicht arbeiten, mit einem interessanten Kragen anfertigen oder mit einem aufwändigen Muster stricken. Du kannst Dich also austoben und Deine Ideen umsetzen.

Auch was das Stricken selbst angeht, hast Du mehrere Möglichkeiten. So kannst Du die Weste an einem Stück stricken. Das sieht dann so aus:

Eine andere Möglichkeit ist, die Vorderteile und das Rückenteil getrennt voneinander zu stricken und später dann zur Weste zusammenzunähen. Nach diesem Prinzip fertigen wir auch die Weste in dieser Anleitung an.

 

Die benötigten Materialien

Für die Weste brauchst Du natürlich Wolle. Für welche Wolle Du Dich entscheidest, bleibt dabei Deinem Geschmack überlassen. Du kannst also eine dicke oder eine dünne Wolle und eine einfarbige oder eine bunt gemusterte Wolle verwenden. Auch was das Material und die Struktur der Wolle angeht, hast Du freie Wahl. Wie viel Wolle Du brauchst, hängt von der Wolle selbst und davon ab, wie groß und lang Deine Weste werden soll. Auf der Banderole von der Wolle ist aber meist angegeben, welche Menge Du für ein bestimmtes Strickstück (meist ein Pullover) brauchst. An dieser Angabe kannst Du Dich orientieren. Ansonsten kannst Du davon ausgehen, dass Du für eine Weste in mittlerer Größe und Länge ungefähr 300g Wolle brauchen wirst.

Neben der Wolle benötigst Du Stricknadeln. Auch hierbei hilft Dir wieder die Banderole weiter. Dort steht nämlich, welche Nadelstärke für Deine Wolle empfohlen wird. Meist sind dabei zwei Werte angegeben, es heißt beispielsweise Nadelstärke 4 bis 4,5. Wenn Du eher locker strickst, solltest Du die kleinere Nadelstärke und damit die dünneren Nadeln wählen. Strickst Du eher fest, nimm die größere Nadelstärke.

Neben der Wolle und den Stricknadeln brauchst Du noch ein Maßband, eine Schere und eine Wollnadel. Eine Wollnadel ist eine Nadel, die ein großes Öhr und keine Spitze hat. Das stumpfe Ende ist wichtig, weil die Nadelspitze sonst die Wolle beschädigen könnte. Statt einer Wollnadel kannst Du aber auch eine Stopf- oder eine Sticknadel ohne Spitze nehmen. Hast Du alle Utensilien beisammen, kann es losgehen. Möchtest Du die Weste wie in unserer Anleitung mit Knöpfen ausstatten, brauchst Du zudem noch zwei Knöpfe.

Eine Schritt-für-Schritt-Anleitung

Wir stricken die Weste glatt rechts. Glatt rechts bedeutet, dass Du die Maschen in den Hinreihen rechts strickst. Die Maschen in den Rückreihen strickst Du links. Wenn Du die Maschen auf der Vorderseite als rechte und die Maschen auf der Rückseite als linke Maschen abstrickst, sieht Dein Strickstück so aus:

Weste stricken

Damit Du einen schönen und gleichmäßigen Rand erhältst, solltest Du die Randmaschen aber immer rechts stricken. Die erste und die letzte Masche auf Deiner Nadel strickst Du also in jeder Reihe rechts ab, egal ob es eine Hin- oder eine Rückreihe ist.

 

1. Schritt: die Maschenprobe

Wie Du feststellen wirst, wirst Du in dieser Anleitung keine Angaben zu Maschenzahlen finden. Das hat folgenden Grund: Je nachdem, welche Wolle Du verwendest und in welcher Größe Du Deine Weste anfertigst, sind die Maschenzahlen verschieden. Würden wir Dir eine bestimmte Maschenzahl nennen, Du würdest aber mit einer dickeren oder dünneren Wolle arbeiten oder Deine Weste breiter oder schmaler stricken, käme womöglich eine Weste heraus, die Dir gar nicht passt. Du könntest zwar die Angaben umrechnen und auf Deine Arbeit anpassen, aber das kann mitunter etwas kniffelig sein. Deshalb verzichten wir auf Maschenzahlen. Stattdessen erklären wir Dir, wie Du die Anzahl an Maschen, die Du für Deine Weste brauchst, ermittelst. An dieser Stelle kommt die Maschenprobe ins Spiel.

Die Maschenprobe ist der erste Schritt auf dem Weg zu Deiner Weste. Für die Maschenprobe schlägst Du einige Maschen an, z.B. 20 oder 30. Diese Maschen strickst Du nun ein paar Reihen hoch glatt rechts. Dann kannst Du Deine Maschenprobe ausmessen. In diesem Fall spielt die Höhe keine Rolle. Für Dich ist erst einmal nur wichtig, wie breit Deine Maschenprobe geworden ist. Als nächstes misst Du aus, wie breit Deine Weste werden soll. Dazu legst Du das Maßband locker einmal um Deinen Körper herum. Den ermittelten Wert teilst Du anschließend durch 2. Jetzt kannst Du Deine Maschenzahl ausrechnen. Das geht so:
Angenommen, Du hast für die Maschenprobe 20 Maschen gestrickt. Mit diesen 20 Maschen kommst Du auf eine Breite von 9cm. Deine Weste soll 50cm breit werden.

Dann rechnest Du

9cm = 20 Maschen
1cm = 2,222222 Maschen (20 : 9)
50cm = 111,1111 Maschen (2,2222 x 50)
Als müsstest Du für das Rückenteil Deiner Weste 111 Maschen anschlagen. Rechne bei der Gelegenheit auch gleich noch aus, wie viele Maschen 5cm ergeben. Diesen Wert brauchst Du nämlich später noch.

 

2. Schritt: das Rückenteil stricken

Nachdem Du Deine benötigte Maschenzahl für das Rückenteil ausgerechnet hast, schlägst Du die Maschen an. Dann strickst Du die Maschen glatt rechts. Du strickst die Hinreihen also immer mit rechten und die Rückreihen mit linken Maschen. Nur die Randmaschen arbeitest Du in allen Reihen als rechte Maschen.

So strickst Du dann vor Dich hin, bis Du mit Deinem Strickstück auf Höhe der Achselhöhlen angekommen bist. (Wie lang Du Deine Weste strickst, kannst Du selbstverständlich selbst festlegen.) In dieser Höhe nimmst Du auf beiden Seiten Maschen für die Armausschnitte ab. Das geht so:

  • Am Anfang der Reihe kettest Du so viele Maschen ab, wie Du für 5cm brauchst. (In unserem Beispiel oben wären das 11 Maschen.)
  • Dann strickst Du die anderen Maschen bis zum Ende der Reihe ganz normal als rechte Maschen ab.
  • Am Anfang der Rückreihe kettest Du wieder die Maschen für 5cm ab.
  • Dann strickst Du auch diese Reihe ganz normal zu Ende.
    Nach den Abnahmen hat sich Dein Strickstück auf beiden Seiten verschmälert. Du strickst jetzt wie gehabt in Reihen weiter. Denke nur daran, auch die neuen Randmaschen immer rechts abzustricken. So arbeitest Du nun weiter, bis Dein Strickstück die Schultern erreicht hat. Je nach Größe werden das um die 25cm sein. Dann kettest Du die Maschen ab. Dein Rückenteil ist damit fertig.

 

3. Schritt: die Vorderteile stricken

Die Vorderseite Deiner Weste strickst Du in zwei Teilen. Du fertigst also ein rechtes und ein linkes Vorderteil an. Für die Vorderteile kannst Du die Maschenzahl vom Rückenteil einfach halbieren. Wenn Du möchtest, dass sich die Vorderteile etwas überlappen, damit Du die Weste mit Knöpfen schließen kannst, musst Du die Vorderteile aber etwas breiter anfertigen. Dann nimmst Du für ein Vorderteil die Hälfte der Maschen vom Rückenteil plus Maschen für 5cm. (Im Beispiel oben waren es 111 Maschen für das Rückenteil. Die Hälfte davon wären 55,5 Maschen. Dazu noch 11 Maschen für 5cm. Du würdest also für ein Vorderteil 66 Maschen anschlagen.)

Auch die Maschen für ein Vorderteil schlägst Du an und strickst sie in Reihen glatt rechts. Wenn Du mit Deiner Strickarbeit in Höhe der Achselhöhlen angekommen bist, nimmst Du wieder Maschen für den Armausschnitt ab. Bei den Vorderteilen machst Du das aber nur auf einer Seite. Dabei kettest Du beim rechten Vorderteil auf der rechten und beim linken Vorderteil auf der linken Seite so viele Maschen ab, dass Du auf 5cm kommst.  In das Vorderteil, das später oben aufliegen soll, arbeitest Du außerdem noch zwei Knopflöcher ein. Knöpflöcher strickst Du so:

  • In der Hinreihe strickst Du die Randmasche und drei oder vier Maschen ganz normal ab.
  • Dann machst Du einen Umschlag. Für einen Umschlag legst Du den Arbeitsfaden einfach einmal um Deine rechte Nadel.
  • Die nächsten beiden Maschen strickst Du zusammen. Du strickst diese beiden Maschen also eine rechte Masche ab.
  • Die restlichen Maschen in dieser Reihe strickst Du ganz normal ab.
  • In der Rückreihe beginnst Du mit der Randmasche, dann strickst Du linke Maschen.
  • Wenn Du am Umschlag der Vorreihe angekommen bist, strickst Du diesen Umschlag als eine linke Masche. Dadurch bildet sich ein Loch, das Knopfloch.
  • Dann strickst Du noch die restlichen Maschen dieser Reihe. Damit ist Dein Knopfloch fertig.
    Nach der Abnahme für den Armausschnitt strickst Du wieder in Reihen weiter, bis Du die Schultern erreicht hast. Dann kettest Du die Maschen ab. Das zweite Vorderteil strickst Du genauso. Denke nur daran, die Abnahme für den Armausschnitt auf der anderen Seite zu arbeiten.

Weste2

4. Schritt: die Weste fertig stellen

Hast Du die drei Strickstücke fertig, musst Du sie nur noch zusammennähen. Dazu legst Du sie mit den Vorderseiten nach innen aufeinander. Dann schließt Du zuerst die Seiten, indem Du vom unteren Rand bis zu den Armausschnitten nähst. Danach schließt Du die Schulternähte. Nähe hier aber nicht zu weit, damit der Ausschnitt für Deinen Kopf und Hals groß genug bleibt. Zum Schluss nähst Du noch die beiden Knöpfe an und damit ist Deine Weste fertig.